Mittwoch, 26. Februar 2014

Music of Fische

Händelfestspiele in Karlsruhe, vom 21. 2. bis 3.3.2014. Immer wieder ein Genuss. Dieses Jahr stand die Oper "Riccardo primo" im Mittelpunkt. Eine eher selten aufgeführte Oper Händels, die ein urenglisches Thema, rund um Richard Löwenherz, inszeniert. Wunderschön im sanften Licht von 800 Kerzen mit mittelalterlicher Bühnenkulisse, fantastischen Kostümen und exzellenten Sängern. Ein mittelalterliches Bild beginnt zu leben, zu singen und einen in Bann zu ziehen. Natürlich geht es um die Liebe, aber auch um Krieg und Eroberung. Alle Gefühlszustände wie Freude, Trauer, Verlangen, Liebe, Hass, Bewunderung und Furcht werden meisterhaft hervorgerufen. Aber man muss barocke Musik mögen. Manch einen langweilt es, wenn derartig in den Gefühlen gebadet wird. Ich aber mag schon immer barocke Musik, und das bereits, als ich noch nicht wusste, das es barocke Musik ist. Also, bade ich wahrscheinlich sehr gerne in Gefühlen. Und wer konnte so etwas am besten komponieren? Ein Meister, ein Meister der Fische, Georg Friedrich Händel. 

Georg Friedrich Händel, geboren am 5.3.1685, in Halle/Saale. Nach julianischem Kalender geboren am 23. Februar 1685.

Händel ist bei Neumond geboren, auf 16° Fische. Die Sonne, die unser Entfaltungsziel und unser Potenzial darstellt, hat auf 16° Fische das sabische Symbol: In der Stille eines Studierzimmers erfährt ein Mensch einen Ein-Fluß von Inspiration. Händel, bekannt als genialer und extrem erfolgreicher Eigenbrötler, der sich nie an einen Menschen gebunden hat, war voll und ganz verheiratet mit seiner Inspiration, ganz vertrauend auf seine innere Führung. Wer also die Meisterschaft der Fische erfahren möchte, der lasse sich auf die Musik von Händel ein.

Herzliche Grüße von Siri


Die Erinnerung an das Leid
wird in die Winde gestreut,
im weiten Meer verschwinden.
Und zärtlich süße, frohe Liebe
wird die Herzen in der Brust
vor Freude hüpfen lassen.
(Schlussgesang des Chors in Riccardo primo)


Ein sehr passender Beitrag von Mythopoet:

Georg Friedrich Händels Auferstehung
nach der Erzählung von Stefan Zweig aus «Sternstunden der Menschheit»
 

Es war der 13. April 1737. Georg Friedrich Händels Diener sass am Fenster und blies aus einer Tabakpfeife Seifenblasen in die Luft. Sie schwebten sanft auf die Strasse hinab. Die Passanten zerstachen sie fröhlich mit ihren Spazierstöcken oder zertraten sie, schauten hinauf und winkten dem Diener zu. Sie kannten das Haus des grossen Musikers. Da hörte man nachts plötzlich das Cembalo
dröhnen, oder irgendwann die donnernde Stimme des cholerischen Meisters, und dann das Heulen und Schluchzen einer Sängerin, die einen Achtel-Ton zu tief oder zu hoch gesungen hatte.
Ein Narrenhaus – und jetzt diese Seifenblasen. Warum? Mit einer Riesenwut war der Meister von einer Probe heimgekommen und ging noch immer in seinem Studierzimmer auf und ab um die Wut zu kühlen. Jetzt Tabak kaufen gehen – niemals! Nur jetzt nicht den Meister noch mehr aufregen!! Aber jetzt, was war das? Ein dumpfer Schlag hatte das ganze Haus erschüttert. Das war der Meister
im oberen Stockwerk! Der Diener rannte die Treppe hoch und fand Händel. Reglos lag er auf dem Boden, die Augen starr, aus dem halb offenen Mund kam ein Röcheln. – Händels Assistent, der auch im Hause wohnte, lief nach dem Arzt. Dieser kam und untersuchte den Patienten: „Apoplexia" war die Diagnose: die rechte Seite war gelähmt. – Der Kranke flüsterte nur: «Vorbei… vorbei mit mir … keine Kraft. Ich will nicht leben ohne Kraft.» Beim Weggehen sagte der Arzt noch: «Den Mann können wir vielleicht am Leben behalten. Aber den Musiker haben wir verloren, – wenn kein Wunder geschieht. – Ich freilich hab‘ noch nie eins gesehen.» So lag Händel vier Monate lang da. Er konnte nicht gehen, nicht schreiben, mit der rechten Hand nicht einen einzigen Ton spielen. Wenn Freunde in seiner Nähe musizierten, kam ein wenig Licht in seine Augen, der schwere Körper bewegte sich ein wenig. Doch die Muskeln gehorchten ihm nicht. Und kaum war die Musik zu Ende, fielen ihm die Augen wieder zu, und er lag da wie ein Toter. Der riesige Mann, früher voller Dynamik, war wie eingemauert in einem unsichtbaren Grab. Der Arzt wusste nicht mehr weiter und schickte schliesslich nach Aachen in die heissen Bäder, vielleicht brächte ihm das Baden ein wenig Besserung. – «Täglich baden, aber höchstens drei Stunden!» verordneten die Ärzte. – Äusserlich war er gebrochen und unbeweglich, aber unter dieser Hülle lebte eine unvorstellbare Kraft: Georg Friedrich Händels Wille: Urkraft der Natur, die nicht berührt, nicht besiegt war von dem vernichtenden Schlag. Er wollte leben, wollte schaffen gegen die Gesetze der Natur. Er riskierte alles um zurückzuerobern, was verloren schien: Neun Stunden statt der erlaubten drei blieb er täglich im heissen Wasser. Und – seine Kraft kehrte zurück. Nach einer Woche schleppte er sich aus eigner Kraft bis zum Bad. In der zweiten begann er wieder seinen Arm zu bewegen. – Da war er nicht mehr zu bremsen. Er riss sich los aus den Krallen des Todes, die ihn umschlungen hatten, und fand die ganze Kraft seines Körpers wieder. Als er aus Aachen abreiste, machte er noch Halt bei einer Kirche. Er war nie sonderlich fromm gewesen, aber jetzt zog es ihn da hinein. Er stieg zur Orgel empor und begann zu spielen. Zuerst mit der linken, dann zögerlich auch mit der rechten Hand, die lange kraftlos erstarrt war. Aber auch diese begann mit immer grösserer Kraft zu spielen. Es war wie ein gewaltiger Strom, der die Kirche erfüllte. In der Kirche sassen Leute zum Gebet. Niemals hatten sie einen Menschen so spielen hören. Händel hatte wieder seine Sprache gefunden, und er redete: zu Gott, zu den Menschen, in diese Welt hinein. Er war gesund!
Stolz und dankbar kehrte er nach London zurück. «Aus dem Hades, der Totenwelt bin ich zurückgekehrt.» sagte er und stürzte sich mit der alten Kampfeslust in neue Kompositionen. Eine Oper schrieb er, eine zweite, eine dritte, Oratorien und noch kleinere Werke. Aber die Zeit war gegen ihn. Der Winter war sehr streng: Musiker erkrankten, die Leute blieben zu Hause, weil man die Konzertsäle sich nicht genügend heizen konnte. Eine Vorstellung nach der anderen wurde abgesagt. So geriet er immer mehr in Schulden, denn er war seine eigene Konzertagentur. Die Gläubiger verfolgten ihn am Tag und die Sorgen in der Nacht. Das drückte schwer auf sein Gemüt. Immer mehr verschloss er sich, er fühlte sich als besiegter, geschlagener, zusammengestauchter Mann. Mühsam versuchte er, aus alten Stücken neue zu schaffen, aber die alte Kraft war verloren. Was er vier Jahre vorher mit seinem Körper erfahren hatte, geschah jetzt mit seinem Gemüt: Zusammengeschlagen war er. Nach fünfunddreissig Jahren schöpferischen Wirkens war er am Ende. «Wozu hat Gott mich auferstehen lassen aus der Krankheit, wenn die Menschen
mich wieder begraben? Besser wäre ich gestorben als so geschlagen, kalt und leer aus dieser Welt abzuschleichen.» Und im Zorn murmelte er manchmal die Worte dessen, der am Kreuz hing:«Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?»
So irrte er verzweifelt und verloren Abend für Abend in London herum. Erst spät nachts kam er heim um den Gläubigern auszuweichen. Und manches Mal starrte er von der Brücke hinab in die nachtschwarze Themse. Wäre es nicht besser mit einem Ruck alles von sich zu werfen? Nur endlich nicht mehr in dieser Leere und Gottverlassenheit leben. Es war der 21. August 1741. Wieder war er nachts herumgeirrt. Lange war er im Green Park gesessen: Müde, müde, müde. Alles hat keinen Sinn! Und dann ging er heim wie ein Trunkener: Nur noch schlafen, nichts mehr wissen, für immer schlafen. Im Hause war niemand mehr wach. Mühsam schleppte er sich die Treppe hoch. Im Zimmer zündete er das Licht an. So hatte er es immer getan all die Jahre. Jedes Mal hatte er doch eine Melodie, ein Thema von draussen heimgebracht und noch schnell aufgeschrieben. Aber jetzt war alles anders. Der Schreibtisch war leer, kein Notenblatt lag dort. Alles war wie tot, ohne Bewegung wie ein Mühlerad, das stillsteht im gefrorenen
Fluss. Doch da fiel sein Blick fiel auf ein Paket, ein Bündel von beschriebenen Blättern, zu oberst ein Brief von Charles Jennens, dem Dichter, der ihm die letzten Opern und Oratorien geschrieben hatte. – «Ich hoffe, Sie, der grosse Meister, werden sich meiner armseligen Worte erbarmen und sie dahintragen durch den Äther der Unsterblichkeit.» – «Du himmeltrauriger Schuft, du gemeiner Kerl!» brüllte Händel. Dieser Mensch stach hinein ins Tiefste seiner Verzweiflung. Händel zerriss den Brief, blies das Licht aus und warf sich aufs Bett. Da begann er zu weinen vor Wut und vor Ohnmacht. Nur schlafen jetzt! – Aber er konnte nicht schlafen. In unerklärlicher Unruhe wälzte er sich von einer Seite zur anderen. – Aufstehen? Diese Texte doch ansehen? – War da vielleicht etwas dran? – Aber nein, was konnte noch den trösten, den Gott hatte fallen lassen? – Und doch, noch war in ihm eine Kraft, die ihn drängte. Er konnte sich nicht wehren: Er stand auf und zündete wieder das Licht an. – Ein Wunder hatte ihn aus der Lähmung seines Körpers herausgeholt! – Vielleicht hatte Gott auch für seine Seele Kraft und Trost? Da sah er auf das Blätterbündel: «Der Messias». – Und die ersten Worte auf dem ersten Blatt: «Tröstet, tröstet mein Volk!» Das traf ihn zuinnerst. Tröstet! Nur dieses Wort: Schöpfungswort in
sein zerschlagenes Leben hinein! Kaum hatte er es gelesen, dieses Wort gespürt, hörte er es als Musik: in Tönen schwebte es, rief es, sang es. Tore öffneten sich in seinem Inneren: – Er fühlte wieder, er hörte wieder. Da war wieder Musik in seinen Ohren und in seinem Herz! Seine Hände zitterten, wie er nun Blatt um Blatt umblätterte. «So spricht der Herr. Er wird dich rein machen.» Jawohl! Das war es, was geschah: Sauber gefegt war er, weggewischt war mit einem Mal alles Düstere und Dunkle aus seinem Inneren. Kristallklares Licht brach herein. Nicht der Dichterling Charles Jennens hatte sich diese Worte ausgedacht. Gott selbst, der einzig seine Not kannte, er sprach durch diese Worte zu ihm. Und ihm allein, dem gebrochenen zusammengeschlagenen
Mann, galten diese Sätze. Dieses «Ruf aus dein Wort mit Macht!“ Er spürte
es: Wie am ersten Tag der Schöpfung erweckte ihn das Wort mit der Gewalt der Posaunen und dem Donner der Orgel. – Und so sollten alle erweckt werden: Es hiess doch: «Siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker.» –
Und schon ertönte in seinem Inneren der Ruf: «Wunderbar, Herrlicher, der starke Gott, der Ewigkeiten Vater und Friedefürst.» Wie von einem grossen Sturm gepackt sass Händel vor diesen Blättern. Alle Müdigkeit war wie weg geblasen. Noch nie war er so erfüllt gewesen von schöpferischer Kraft, von einem warmen, befreienden Licht. Die Worte überschwemmten ihn, jedes war ein gezielter Treffer in sein Herz. «Er ist ein Gerechter und ein Helfer und bringt Heil allen Völkern.» Das wollte er allen sagen, wie keiner es vor ihm gesagt hatte. Denn er erkannte wohl: Nur wer schwer gelitten hat, kann so von Erlösung und Freude reden. Er las weiter, was über Jesus in diesen
Worten stand: «Er war verachtet.» … «Und da war keiner, der Trost dem Dulder gab.» Genau das hatte er erlebt. Und wenn es dann hiess: «Er vertraute Gott, und siehe, Er liess ihn nicht im Grabe ruhen.» da erkannte er wieder sich selbst und das, was er jetzt erfuhr. Doch dann erschrak er: «Der Herr gab das Wort…» – Durch Texte, die ein Mensch zufällig geschrieben hatte, schickte ihm Gott selbst sein Wort, seine Wahrheit und die Musik dazu: Der Gott, der zu ihm stand und ihn nicht fallen liess. Diese Freude, von der er plötzlich durchtränkt war,
musste zurück zu dem, von dem sie kam: Wie es da stand: «Halleluja!»
Händels Augen füllten sich mit Tränen. Nach diesem Halleluja konnte er nicht mehr weiter lesen. Er explodierte fast vor Kraft und Freude. Da packte er Feder und Papier und begann zu schreiben. Note für Note in unvorstellbarer Geschwindigkeit. Er konnte nicht unterbrechen. Wie ein Segelschiff
im Sturmwind riss es ihn fort. Er schrieb nur, was er hörte. Draussen war stumme Nacht. Aber in ihm strömte das Licht, und die Musik dröhnte unhörbar in seinen Ohren. Als am Morgen der Diener mit dem Essen kam, wies er ihn weg. – Er schrieb und schrieb und schrieb. Drei Wochen lang Tag und Nacht ohne Unterbruch. Brachte man ihm zu Essen, brach er sich mit der linken Hand ein paar Brocken Brot ab, mit der Rechten schrieb er weiter. Da kamen
Gläubiger, die wollten Geld, Sänger, die wollten ihre Noten, Boten, wollten ihn ins königliche Schloss einladen. Alle wies er weg. Nur eines war wichtig: Das aufzuschreiben, was er in sich hatte. Wenn sein Diener nur ein Wort sagen wollte, fuhr ihm der Zorn eines gereizten Löwen entgegen.Tag und Nacht nur das eine: Aufs Papier bringen, was in ihm war. Er sang, er griff in das
Cembalo, setzte sich wieder hin und schrieb weiter. Und nach zweiundzwanzig Tagen und Nächten, am 14. September, war das Werk vollendet. Zum Schluss baute er den Chor des Amen auf wie einen Dom: Amen, amen, amen. Händel erhob sich. Die Feder fiel ihm aus der Hand. Er wusste nicht, wo er war und was ihm geschah. Todmüde wankte er der Wand entlang. Dann fiel er aufs Bett und schlief wie ein Toter. Dreimal schon hatte der Diener geklopft, keine Antwort! Schliesslich trat er ein und sah den Meister daliegen wie damals nach dem Schlag. Nein! Nicht noch einmal! rief er aus! Wie damals rannte der Assistent nach dem Arzt. Doch als dieser endlich eintraf, stand der Diener schon an der Tür und rief ihm entgegen: «Jetzt isst er wie sechs Lastenträger und trinkt schon den vierten Becher Bier!» Und wirklich sass Händel da vor dem überfüllten Tisch. In siebzehn Stunden hatte er den Schlaf von drei Wochen nachgeschlafen, und jetzt ass und trank er mit dem grössten Appetit, was er in den vergangenen drei Wochen gefastet hatte. Als er den Arzt sah, begann er schallend zu lachen, urtümlich dröhnte es aus dem Innersten seines Lebens heraus, denn jetzt fühlte er sich geheilt wie noch nie. Lachend schwenkte er dem Arzt den halbleeren Bierkrug entgegen. — «Was ist mit Ihnen geschehen?» fragte dieser. Händel setzte sich ohne ein Wort ans Cembalo und begann zuerst nur leise, zu spielen und zu singen. «Vernehmt, ich künd euch ein Geheimnis an…» Es waren Worte aus dem Messias, die er zuerst ironisch dem Arzt sagte. Doch dann war er mitten in seinem Werk. Er sang und spielte die letzten Chöre. «Ja, wo ist er, dein Stachel, o Tod!» Aus voller Kraft sang und spielte er, selbst gepackt von der Macht der Musik. Er sang bis zum Amen. Der Arzt war wie betäubt. «Mann, so etwas hab‘ ich nie gehört. - Sie haben den Teufel im Leibe,» rief er ihm zu. – Händels Gesicht verdüsterte sich. Auch er war erschrocken über die Kraft seines Werkes. Und als schäme er sich, wandte er sich ab. Kaum hörbar sagte er: «Ich glaube vielmehr, Gott ist mit mir gewesen.» Die erste Aufführung des Messias war in Dublin. Händel wurde gefragt, ob er bereit wäre, den Erlös dieser ersten Aufführung zur Unterstützung von Gefangenen in verschiedenen Gefängnissen und bedürftigen Patienten in einem Spital zu spenden. «Nur von der ersten Aufführung…» sagte der Mann, der diese Bitte vorbrachte. – «Nein!» sagte Händel, «Kein Geld für den Messias! Nie werde ich je Geld für dieses Werk nehmen, niemals! Ich stehe da einem anderen in Schuld. Immer soll es den Kranken und den Gefangenen gehören, denn ich bin krank gewesen und bin daran gesundet. Ich war ein Gefangener und es hat mich befreit.» Sein Leben war von Grund auf geheilt. Nichts konnte ihn mehr zu Boden drücken. Wieder kamen Gläubiger und hetzten ihn, wieder machte er Konkurs mit seiner Operngesellschaft. Aber er stand, komponierte und wirkte, und er kämpfte sich durch sein Leben. Jahr für Jahr führte er den Messias auf und überwies, ungeachtet seiner finanziellen Lage, jedes Mal den ganzen Erlös, 500 Pfund an soziale Institutionen. Am 7. April 1759, schon schwer krank, liess er sich aus dem Spital noch einmal zur Aufführung des Messias nach Covent Garden aufs Podium führen. Da stand er mitten unter den Musikern und Sängern. Seine erblindeten Augen sahen nichts, aber er sang tief ergriffen mit. Sein Gesicht war hell und dankbar. Es war, als stehe er am eigenen Sarg und bete um seine und aller Erlösung. Dann an der Stelle: «Sie schallt die Posaun‘ und die Toten erstehn.» blickte er mit starren Augen in die Höhe. Er wusste: Er konnte dankbar und aufrecht aus diesem Leben zu seinem Meister gehen.– Dies war der Abschied gewesen. Man führte ihn zurück ins Spital. Die Ärzte verstanden nicht, warum er an diesem Karfreitag sterben wollte. Es war der 13. April. Am 13. April hatte er den Hirnschlag erlitten, am 13. April war der Messias zum ersten Mal aufgeführt worden. Und wirklich, am 13. April verliessen Händel die Kräfte. Er sah nichts mehr, hörte nichts mehr, unbeweglich lag er da. Und am nächsten Tag starb, was an Georg Friedrich Händel sterblich war.

Mittwoch, 19. Februar 2014

Mythos of Fische

Die Sonne steht nun in den Fischen, genau genommen seit gestern 19Uhr00. Fischezeit ist Traumzeit, aber auch eine Zeit des Endens, bevor im Widder ein Neubeginn stattfindet. Fischzeit kann aber auch eine Zeit des Sichtreibenlassens, des Schicksals, des Suchens sein. Und heute wusste ich nicht so recht worüber ich bloggen möchte und befragte die sabischen Symbole. Befragte also das Orakel. Und als Symbol bekam ich 28° Fische: Ein fruchtbarer Garten enthüllt im Licht des Vollmondes eine Vielzahl reifer Gemüse. Aha … ich brauche also nur in meinen geistigen Garten gehen und etwas wählen, etwas das reif ist und geerntet werden will. Und da fiel mir ein, dass ich ja gerade ein Buch lese, von Thorwald Dethlefsen: Ödipus der Rätsellöser. Dethlefsen bringt den Mythos des Ödipus in Verbindung mit dem Fischezeitalter, als DEN Mythos des Fischezeitalters. Als DEN Mythos des Menschen. Wir werden also befreit vom Ödipuskomplex der Psychologie und steigen wesentlich tiefer und weisheitlicher in die Deutung dieses Mythos ein. Es geht um das Rätsel des Menschen, die Sphinx, um Irrungen und Wirrungen, um unsere wahren (geistigen) Eltern, um die Suche und die Unausweichlichkeit des Schicksals, um das Leid, unseren Weg und unsere irdische Gebundenheit. Die Füße, das Symbol der Fische, spielen im Ödipusmythos eine wichtige Rolle. Als Strafe wird Ödipus mit den Füßen an die Erde genagelt, und Ödipus heißt übersetzt "Schwellfuß". Die einzige ehemalige Millionenfrage bei "Wer wird Millionär", die ich hätte auf Anhieb beantworten können. Die Füße als Symbol für "den Weg des Menschen gehen". So erschließt sich einem das Thema Fische ganz anders. In den Fischen geht es nicht um das intellektuelle Verstehen des Menschseins, sondern um die Erfahrung und das Gehen des Weges, um das Schicksal. Und wenn wir uns auch bemühen, dem Schicksal aus dem Weg zu gehen … Ödipus hat es erfolglos versucht … so werden wir uns dem stellen müssen. Dem, was uns bestimmt ist, dem was wir werden sollen. Das Buch ist allen, die Mythologie lieben, unbedingt zu empfehlen. 

Buchbesprechung HIER
Hoffentlich schmecken Euch die heute frisch geernteten Gemüse.

Herzliche Grüße Siri

PS: Das Thema Füße wird auch bei Rüdiger Dahlke intensiv behandelt. Denn, falls wir Probleme mit unseren Füßen haben, dann haben wir ein Fischethema zu bearbeiten. Mit all den Fragen "Wie gehe ich meinen Weg?", "Will ich meinem Schicksal aus dem Weg gehen?", "Ist es mir zu mühsam und hart", "Bin ich auf meinem Weg?", "Wo irre ich?".


"Weh dem Menschen,
der nicht leiden kann und will;
er wird von Schmerzen zermalmt werden.

Wer nicht gehen will,
wird erbarmungslos von der Natur mitgezogen.

Wir werden mitten ins Leben wie ins Meer geworfen;
wir müssen schwimmen oder umkommen."

ELIPHAS LEVI, Geschichte der Magie

Mittwoch, 12. Februar 2014

Grüezi

Gian und Giachen, die Werbe-Steinböcke von www.graubuenden.ch
Wir mögen die Schweiz. Uns mag die Schweiz scheinbar im Moment nicht so gerne. Die Bevölkerung fühlt sich von uns EU-Ausländern langsam überschwemmt. Aber ich bin sicher, würde man uns Deutsche in so einer Situation per Volksabstimmung befragen, wir kämen zu einem ähnlichen Ergebnis. Mit der Schweiz haben wir den Mond in den Fischen gemein. Der Mond steht für das Volk, und ein Mond in den Fischen kann sich nun mal schnell überschwemmt fühlen. Der absteigende Mondknoten steht ebenfalls in den Fischen, sowie Neptun in Fische in Mondnähe. Mond will sich wohlfühlen und zeigt an, womit man sich wohlfühlt. Ein Fischemondvolk fühlt sich angenehm, wenn alles heil ist … unwohl, wenn es sich unheil anfühlt, dann entstehen Untergehensängste. Gerade wir sollten die Schweizer in dieser Gefühlslage verstehen. Aber … wir müssen uns keine Sorgen machen. Mit einer vernünftigen Jungfrau-Sonne, einem vernünftigen Jungfrau-Merkur, dem aufsteigenden Mondknoten in der Jungfrau, zudem alle im 9. Haus (dem Haus, das für die Auslandsfragen steht), werden die Schweizer eine Lösung finden, die uns allen gut dient. Die Jungfrau ist im 9. Haus eingeschlossen, d.h. die Thematik muss immer wieder neu erschlossen werden, ist aber Zielthematik des Schweizhoroskopes mit einem Schütze-Aszendenten. Damit sollen große Ziele und Visionen realisiert werden. Das 2. Haus im Steinbock, dem Haus des Geldes, dort sind die Finanzen verantwortungsvoll untergebracht. Und mit dem 8. Haus, dem Haus des fremden Geldes, geht Jupiter wachstumsorientiert um. Mars und Venus in der Waage sind beziehungsorientiert, diplomatisch und auf gerechten Ausgleich bedacht. Also … keine Panik.

Horoskop Schweiz, Quelle: Astrologische Gesellschaft Zürich
Für mich zudem eine Gelegenheit, eine kleine Aszendentenentfaltungsuntersuchung :-) durchzuführen. Gerne arbeite ich mit der Methode von Wolfgang Denzinger, "Die Entfaltung des Aszendenten". Mit dem Aszendenten gehen wir einen Entfaltungsweg durch das Horoskop. Ziel ist es, die Tierkreiszeichenenergie des Aszendenten zu entfalten, im Falle der Schweiz, die Schützenergie. Ein Schützeaszendent will schützehaft in diesem Leben vorgehen, "er will den Schützen leben". Das heißt weise, sinn- und zielorientiert, optimistisch, dem Fremden aufgeschlossen und tolerant. Dahinter liegt das 12. Haus ... die karmische Vergangenheit und Vertrautheit gemachter Erfahrungen liegen im Skorpion. Unbewusst haften Schütze-AC-Inhaber an der Skorpionenergie an. Bei einem Schütze-AC liegt die Vergangenheit also im Skorpion. Und wenn wir uns mal in unserem Bekanntenkreis umschauen, werden wir erstaunt feststellen, dass allen Schütze-AC´s  Skorpionenergien sehr vertraut sind, sie unbewusste Untergehensängste kennen und ihre Probleme an der äußeren Welt festmachen. Diesen alten Skorpion gilt es zu erlösen durch die Weisheit des Schützen. Erlöste Skorpionenergie ist eine, die sich freiwillig auf Wandlung einlassen kann, die ihre Ängste erkannt und erlöst hat. Bei einem Land, wie der Schweiz, können wir also vermuten, dass ihm der Skorpion nicht fremd ist, und eine unbestimmte Angst vor dem Untergang da ist … man alles festhalten möchte, die Macht behalten, Veränderungen und Wandlungen nicht willkommen sind … also auch nicht ein Übermaß an Einfluss durch Ausländer. Nach Denzinger entfalten wir uns durch das Horoskop, ausgehend vom Aszendenten stufenweise. 1. Stufe ist die Änderung unserer Entscheidungen, angezeigt durch die Tierkreiszeichenenergie des 3. Hauses. Im Falle des Schütze-AC ist dies das Zeichen Wassermann. Entscheidungen, die dem Prinzip des Wassermann entsprechen, sind für die Entfaltung des Schütze-AC vorteilhaft. Wassermann-Entscheidungen sind gruppenorientiert, entsprechen den Prinzipien Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, sind bereinigend, menschlich und lassen auch anderen Entscheidungsfreiheit. 2. Stufe ist die Änderung des Ausdrucks, angezeigt durch die Tierkreiszeichenenergie des 6. Hauses. Im Falle des Schütze-AC ist dies das Zeichen Stier. Wie bringt man die getroffenen Entscheidungen in den Alltag und in die Sichtbarkeit? Im Stier zeigt man Festigkeit, ist stabil und haltgebend sowie in der Lage, getroffene Entscheidungen zu verwurzeln. Außerdem lässt man sich nicht von den Untergehensängsten des 12. Hauses beeindrucken. Die 3. Stufe ist die Prüfung der Wandlung, angezeigt durch die Tierkreiszeichenenergie des 8. Hauses. Im Falle des Schütze-AC ist dies das Zeichen Krebs. Das Krebsprinzip prüft den Horoskopeigner, ob er den Skorpion bereits gewandelt hat und das Schützeprinzip greift, oder ob er in alte Skorpionmuster zurückfällt. Also ... zurück auf Feld 12 ... oder ob er weiter darf. Die Prüfung kommt immer von außen und von den anderen. Also Krebsenergie nervt und könnte ein Zurückrudern auf alte Muster bedeuten. Der launische Krebs mit seinen Gefühlsangelegenheiten und Empfindlichkeiten. Im Falle eines Landes könnte dieses es als Prüfung empfinden, wenn wir jetzt wie die Kinder reagieren, beleidigt sind und rumheulen. Eine Meisterung der Prüfung im Falle "8. Haus im Krebs" wäre es, wenn man die Schwächen und Fehler anderer akzeptiert und sich nicht in eigene Beleidigtheiten hineinziehen lässt. Die 4. Stufe ist die Änderung der Werte, angezeigt durch die Tierkreiszeichenenergie des 9. Hauses. Im Falle des Schütze-AC ist dies das Zeichen Löwe. Man lernt das Löweprinzip schätzen und lieben, man wird zum Lichtbringer, furchtlos und mutig. Man lernt, großartig zu sein und voll auf die eigenen Schöpferkräfte zu vertrauen. Und die alten Skorpionängste verziehen sich im Licht des Löwen.

Vor diesem Hintergrund, können wir voll darauf vertrauen, dass die Schweiz weiterhin ein großartiges, mutiges Land sein wird, voll unbeirrbarer Eidgenossen, das mit seinen Partnern einen guten Weg finden wird. Vielleicht sollten wir nicht zu sehr den Krebs geben.


Grüezi und herzliche Grüße von Siri

Mittwoch, 5. Februar 2014

Zurück zu seinem Fixstern


Philip Seymour Hoffman ist im Alter von 46 Jahren gestorben ... voll mit Drogen. Der junge Schütze ist geschockt. Als großer Fan der Filmreihe "Die Tribute von Panem" muss er sich nun vorstellen, dass ein Schauspieler nicht mehr weiter seine Rolle spielen kann. In seinem Alter ist man doch unsterblich. Wie? Der war heroinsüchtig? Wirklich? Warum? So erfolgreich und dann doch so unglücklich? Was konnte er nicht aushalten? Ich kann ihm da wohl keine rechte Antwort geben. Außer, dass Künstler oft näher am Abgrund stehen als wir. Die Suche nach sich selbst, in den vielen Rollen, dieses mit sich selbst konfrontiert sein, nicht wegschauen können, immer wieder suchen. Prominent und doch einsam. Vielleicht ist es so, aber wir kannten ihn nicht. Es wird nur berichtet, dass er privat anders war und depressiv. Ja, das ist traurig. Hier und Hier werden hervorragende astrologische Gedanken zum Horoskop von Philip Seymour Hoffman von Astrologiekollegen formuliert. Da kann ich nur noch etwas hinzufügen. Mich interessieren zusätzlich an Biografien die progressiven Mondzyklen.

Große Zyklen über einen Zeitraum von ca. 28 Jahren. Geschaut wird der progressive Neumond vor der Geburt. Eine lebensbestimmende Hintergrundmusik zum Geburtshoroskop. Es ist eine Art Feldenergie von der wir kommen, gemeinsam mit anderen. Für die Biografiearbeit errechnet man den 1. Neumond nach der Geburt, den 2. und manchmal auch den 3. Neumond. Wenn sich Sonne und Mond progressiv begegnen, dann kann in unserem Leben etwas neu beginnen, ist Bisheriges zu Ende gegangen. Wichtige Wendepunkte im Leben gehen mit diesen Zyklen einher. Der 1. Neumond nach der Geburt hängt vom Geburtsdatum und der Mondstellung ab. Der 1. progressive Neumond kann bereits mit 1 Jahr oder erst mit 28 Jahren einsetzen. Ist man kurz nach einem Neumond geboren setzt der Neumond erst mit 28 Jahren ein, ist man kurz vor dem Neumond geboren, kann das mit 1 Jahr geschehen.

Philip Seymour Hoffman - Geburtshoroskop, 23. 7. 1967, NY, Geburtszeit unbekannt
Philip Seymour Hoffman - Neumond vor der Geburt
1. Neumond nach der Geburt am 18.12.1980
2. Neumond nach der Geburt am 2. 5. 2010

Der vorgeburtliche Neumond von Hoffmann ... die Hintergrundmusik ...  ist eine musische Krebsmusik mit Waageaszendent. Empfindliches Seelenleben und harmoniesuchend. Der Krebsneumond am MC zeigt an, dass es ein Bedürfnis war, das Innere öffentlich zu machen. In Kombination mit den Geburtshoroskop, das eine Löwesonne mit Quadrat zum Skorpionmars aufweist, lässt sich das umsetzen, zur Not mit Gewalt. Was der Seelenebene womöglich Schmerz bereitete. Mit dem Wassermannmond, der in Verbindung mit Pluto, Uranus, Neptun und Pholus steht, kann man sich vorstellen, dass das Seelenleben Hoffmans extremen Spannungen ausgesetzt war. Freiheit und Unabhängigkeit bis hin zur Einsamkeit, innerer Druck, Sehnsucht nach Verschmelzung und Pholus, der den Wein des Dionysos trinkt. Womöglich eine Konstellation, die den Drogenweg als illusorischen Erlösungsweg wählt.
Der 1. progressive Neumond nach der Geburt, wird der Familien- oder Sippenmond genannt. In diesen 28 Jahren ist man an den Auftrag der Sippe gebunden. An sein Umfeld, an das, was von einem erwartet wird. Hoffmans Sippenneumond beginnt am 18.12.1980, als er 13 Jahre alt war. In seinem Lebensrückblick wird berichtet, dass es seine Mutter war, die ihn zum Schauspiel animiert hatte. Und irgendwie ist es so geworden, er war selbst erstaunt. Womöglich werden wir in der Phase des Sippenmondes  eher fremdbestimmt durch unser Umfeld. Auch wenn man es nicht unbedingt wahrhaben will.
Der 2. progressive Neumond nach der Geburt, wird der individuelle Neumond genannt. Es ist eine Phase, in der wir uns der Entwicklung unserer Seele widmen können, in der wir unseren eigenen Weg gehen, wir befreien uns von den Vorstellungen unseres Umfeldes. Hoffmans Individualneumond beginnt am 2.5.2010, da war er 43 Jahre alt. Wenn wir uns dieses Neumondhoroskop anschauen, sehen wir, dass der Neumond, mit vielen anderen Planeten, im 12. Haus des Rückzugs steht. Er stand am Anfang dieses Zyklus. In einem Interview 2011 in Zeit-Online sagte Hoffman: "Wenn ich die Augen schließe und meine Gedanken vagabundieren lasse, bin ich endlich ganz allein und anonym, mein Denken ist dann völlig ungebunden. Es ist dieses Gefühl von grenzenloser Freiheit, das Träume so lebensnotwendig macht. Daher bleiben die meisten von ihnen auch mein Geheimnis." Womöglich war die Realität zu hart, die Vorstellungen der Anderen an ihn, zu ausgeprägt, seine Sehnsucht zu groß. Und die Droge der Weg des geringsten Widerstandes, um dorthin zu gelangen ... zur grenzenlosen Freiheit. Hoffentlich ist er nun dort, wo er eigentlich immer sein wollte.  In der astrologischen Religion des Mithras glaubte man, dass jede Seele von einem Fixstern kommt. Ich mag so etwas auch glauben. Gute Heimkehr Philip Seymour Hoffman.

Mit einem neuen progressiven Neumondzyklus und ganz besonders die Jahre im Vorfeld, in der Dunkelmondphase, sind wir oft orientierungslos, wissen nicht so recht wie und wo es weitergehen soll. Instinktiv sehnt man sich nach einer Neugeburt, neugeboren werden und danach, etwas abzuschließen. Oft eine schwierige Zeit, in der Menschen auch im Dunkeln suchen.

Herzliche Grüße von Siri