Mittwoch, 30. November 2011

Provokation als Weg

Mal wieder was aus der Welt der Werbung. Derzeit sorgt die Firma Benetton nach langer Auszeit für Aufregung, indem sie unter dem Kampagnentitel "Unhate" sich küssende Politgrößen zeigt. Unter anderen ein Motiv, das am meisten für Aufregung sorgt -  der Papst im Kuss vereint mit einem muslimischen Imam. Aber auch ein sich mit dem nordkoreanischen Regierungschef küssender Obama, ist ein Aufreger. Tja, was soll man dazu sagen? Man versteht schon die Botschaft, wir sollen uns alle lieben, und die schlimmsten Gegensätze überwinden. Der Kuss als Symbol der Liebe, angelehnt an das Motiv des sozialistischen Bruderkusses "Breschnew und Honecker" … damals in echt. Die Fotos der Kampagne sind natürlich zusammenmontiert und bilden keine echten Küsse ab. Benetton hat angeknüpft an seine früheren Kampagnen der 80er und 90er Jahre des berühmten Fotografen Oliviero Toscani, und hat sich damit aus einem Tief der Bedeutungslosigkeit wieder in unser Gedächtnis gerufen. Aber warum gefallen mir die damaligen Kampagnen von Toscani besser? Weil das damals "echt" war. Toscani ist ein hochmotivierter Künstler, der die Werbung benutzt hat, um seine provokativen Botschaften zu kommunizieren. Dass Benetton dabei reich und weltweit berühmt geworden ist, war für ihn nur ein Nebeneffekt … er hat die Pullover benutzt um seine Botschaften zu transportieren. Toscani hat sich 2001 mit Benetton überworfen. Die jetzige Kampagne ist also haus- und nachgemacht und nicht von Toscani, hier dient - umgekehrt - die Botschaft den Pullovern.

Oliviero Toscani
Am Wochenende kam bei arte ein Film über den inzwischen 68-jährigen Toscani, Wiederholung am 6.12. 2011 um 11Uhr30. Er ist ein Vorreiter der Anti-Werbung, der an die Grenzen der glatten Bilderwelt der Werbung geht. Wir erinnern uns an Motive wie: "das blutdurchtränkte T-Shirt eines kosovarischen Soldaten", "das magersüchtige nackte Model zur Modemesse in Mailand", die "weiß gekleidete Nonne, die einen schwarzen Priester küsst", die Kampagne "Black and White", "die Abbildung zum Tode Verurteilter in USA", "HIV-Infizierte" … alles echte Motive, keine Montagen. Hier ist Werbung nicht Verführerin, sondern Aufklärerin. Von Toscani stammen Aussagen wie "Provokation ist etwas Göttliches", "Provokation ist das Einzige was die Menschheit braucht", "das ist mir doch egal, was man über mich denkt" … sein Weg ist es, über die Welt der Bilder, zu provozieren. Wir - die wir uns mit Astrologie beschäftigen - sehen da natürlich eine eindeutige Entsprechung zum Prinzip des Wassermanns und des Uranus. Da ist es doch mal wieder interessant das Horoskop eines solchen Provokationenliebhabers anzuschauen. Oliviero Toscani ist geboren am 28. Februar 1942, in Mailand, Geburtszeit ist unbekannt, wir haben also leider nicht Kenntnis über seinen Aszendenten.


Mit Sonne im Fisch und Mond im Löwen geht er den Weg des Künstlers. Merkur (Kommunikation) und Venus  (Kunst) stehen im Wassermann. Wassermann, das Prinzip von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Toscani kommuniziert diese Botschaften, indem er Finger in Wunden legt, über seine Kunst. Mars steht im Stier, aber in Konjunktion mit Uranus. Das ist ein Aufmischer, ein Provokateur. Er will stets das Experiment und beschäftigt nur junge Leute, die nicht älter als 25 Jahre sind, da diese noch den unverbrauchten unschuldigen Mut haben. Er arbeitet auch heute noch intensiv in diesem Sinne, allerdings für andere Marken.

Ich gehe mal davon aus, dass sich die Kusskampagne schnell verbraucht, dafür ist sie denn doch zu harmlos. Lediglich der Papstkuss hat für Furore und einen Aufschrei gesorgt, dafür ist der Papst immer gut, da kann man nichts falsch machen.

Euch einen ganz unprovokativen herzlichen Gruß von Siri



Mittwoch, 23. November 2011

Neumond im Schützen


Am 25. November 2011 um 7Uhr09 ist wieder Neumond. 
Neumond auf 3° Schütze. Eine neue Runde im kosmischen Karussell. Mit einem Skorpion-Aszendenten, dessen Herrscher Mars und Pluto sind. Mars und Pluto bilden ein gradgenaues Trigon und mit einem 4-Grad-Orbis ein Erd-Dreieck mit Jupiter. Wenn wir gedacht hätten, mit Schütze käme nun Entspannung und Freude ins skorpionische Wandlungsgeschehen des letzten Neumondzyklusses, so werden wir nun eines Besseren belehrt. Eigentlich ist Schütze ein Zeichen das wir mögen.
Optimismus, Zielorientiertheit, Erkennen der größeren Zusammen-
hänge, Sinnhaftigkeit, Wachstum, Großzügigkeit, Weisheit sind Begriffe, die wir mit Schütze verbinden. Die Verbindung von Skorpion und Schütze in diesem Horoskop weist darauf hin, dass wir mit großem Optimismus, ausgerichtet auf ein Ziel, Wandlungsthemen angehen. Hoffen wir mal das Beste. Aufgrund des angesprochenen Erddreiecks geht es um materielle Werte, es geht um unsere Kohle, es geht um den Euro, es geht um Europa.


Das sabische Symbol für den Schütze-Neumond lautet: Zwei Männer spielen Schach. Schlüssel: Die Ritualisierung des Konfliktes. Ja Konflikte haben wir genug. Und das "Schachern" der Banker, der Regierenden, der Mächtigen, der Wirtschaftslenker, der Energiebosse findet nach allen Regeln der Kunst statt. Nicht Retter sind unterwegs, sondern die Schacherer. China kauft sich in Europa ein, andere drucken Geld nach, eigentlich macht man weiter wie bisher, bis die Schachpartie ein Ende hat und mit Schützeneumond im ganz großen Stil.

Neumondzeit ist aber auch Mythenzeit, und die zum Schützen gehörende Heraklesaufgabe ist "Das Erlegen der stymphalischen Vögel". In den stymphalischen Sümpfen lebten besonders wilde, hässliche und mörderische Vögel. Sie hatten bronzene Schnäbel, geschliffen wie Schwerter, stählerne Krallen und Flügel. Mit diesen Schnäbeln durchbohrten sie die Brust herannahender Reisender, spalteten ihre Köpfe in zwei Teile. Als die Vögel Herakles bemerkten, stürzten sie sich auf ihn. Er tötete viele von ihnen, bis sein Köcher mit Pfeilen leer war. Doch da waren noch tausende, denen er nicht Herr werden konnte. Er hielt inne und ihm kam der kluge Rat von Athene wieder in den Sinn, die ihm zwei bronzene Kastagnetten, angefertigt von Hephaistos, mitgegeben hatte. Zwei große Zimbeln, die einen unheimlich kreischenden Ton erzeugten, so durchdringend scharf und laut, dass Herakles sich die Ohren verstopfen musste. Er schlug die Zimbeln hart an, die diesen fürchterlichen Ton erzeugten, immer wieder. Aufgeschreckt von diesem ungeheuren Lärm flogen die entsetzten Vögel davon. Danach trat Stille ein. Und die Aufgabe war getan.
Schütze ist das Zeichen, das nach dem Skorpion kommt. Wir sind auch in dieser Schützeaufgabe noch mit den Sümpfen beschäftigt. Diese gefährlichen Vögel, sind Symbole für unsere Gedanken. Gedanken und Ablenkungen, ständig neue Ideen (es sind abertausende), die unser Herz durchbohren und unseren Kopf spalten. Im Schützen geht es um den richtigen Ton und um die Ausrichtung der Gedanken. Der richtige Gebrauch der Gedanken, die Zurückhaltung der Rede, keine falschen Beziehungen mehr zu Menschen eingehen, indem wir Dinge sagen die nicht gesagt werden sollten und Dinge über Menschen denken, die nicht gedacht werden dürften. Es ist eine Art von Gedankenhygiene und Gedankenkontrolle, indem wir den richtigen Ton der eigenen inneren Wahrheit finden. Dann übertönt diese innere Ausrichtung, der eigene Ton alles andere, und nichts kann uns mehr ablenken. Insofern wird klar, warum gerade Schütze das Zeichen des Suchenden ist. Wie bei einem japanischen Bogen-Schützen, der den Bogen spannt, sich innerlich ganz und vollkommen auf sein Ziel konzentriert und blind sein Ziel trifft. Das ist die Übung. Es geht ums Stillwerden, ums Hinhören auf die eigenen wahren Beweggründe, um Ausrichtung auf das Größere, es geht um wahre Toleranz und Hingabe, es geht um Erkenntnis und Weisheit.

Im momentanen Weltgeschehen ist es fürchterlich laut, es crasht an allen Ecken und Enden, wo sind verdammt noch mal die Zimbeln?

Stille Grüße von Siri

PS: Ein interessanter Film zum Thema "Schachern". Inside Job. Sehr empfehlenswert.

Mittwoch, 16. November 2011

Die Venuspassage

Venustransit vom 8.6.2004, Bild: David Cortner
"Moment", sagt der junge Mann, zieht sein iPhone aus der Hosentasche und hält es zum Nachthimmel hoch "das ist die Venus, und das da, das ist der Stier". "Echt, das ist ja cool" meint die junge Frau. Mit dem Handy hatte der junge Mann sich mal eben die aktuellen Sternenpositionen life anzeigen lassen. Er steckte das Handy wieder ein, sie küssten sich und zogen weiter. So sehen heutzutage die Dates unterm Sternenhimmel aus. Die 
Wiki-Generation, die ihr Gedächtnis in irgendwelchen Clouds parkt, um es jederzeit, egal wo, abzurufen, zu teilen, zu twittern, muss derartige Informationen nicht im eigenen Gehirn speichern. Wozu die mentale Anstrengung, wenn man doch alles  googeln kann? 
Oder sich 'ne App laden? Wenn ich ehrlich bin, genieße ich auch das World Wide Web und die App, die den Sternenhimmel in Echtzeit anzeigt.

Horoskop: Le Gentil, 12.9.1725 in Coutances F
Gerne erinnere ich aber auch an die Zeiten, als Astronomie noch ein echtes Abenteuer war. Da gibt es z.B. die Geschichte der 11 Jahre dauernden Odyssee des Astronomen Guillaume Le Gentil. Ausgeschickt von der französischen Akademie der Wissenschaften wollte er 1761 einen Venustransit in Pondicherry Indien beobachten. Die Reise war sehr kompliziert und abenteuerlich. Beim ersten Transit 1761 steckte er mit seinem Schiff auf dem Pazifik fest. Durch die Schiffsschwankungen wurden seine Messungen unbrauchbar. Der nächste Transit war acht Jahre später. Es lohnte sich also nicht, nach Hause zu fahren. Über Madagaskar, Mauritius und die Philippinen gelangte Le Gentil nach Indien. Dort wartete er auf den Tag des Transits - hatte allerdings wiederum großes Pech, denn der Himmel war komplett bewölkt und wieder war keine Beobachtung möglich. Gentil war verzweifelt und wurde daraufhin sehr krank. Unter großen Mühen und sehr schwierigen Umständen kehrte er wieder nach Frankreich zurück, um dann festzustellen, dass man ihn für tot erklärt hatte und sein Besitz bereits aufgeteilt war. Für Gentil gab es keinen weiteren Venustransit mehr, da sich diese astronomische Spezialität nur alle 122 Jahre wiederholt. Tragisch gelaufen und lebensbestimmend. Zu lesen als Roman  
"Die Venuspassage" von Lorenz Schröter, der historisch korrekt und trotzdem spannend erzählt. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen.
Astronomischer Background:
Ein Venus-Transit hat Ähnlichkeit mit einer Sonnenfinsternis, ist aber viel seltener. Die Venus benötigt für einen Umlauf um die Sonne 225 Tage, während die in größerer Entfernung kreisende Erde 365 Tage braucht. Dadurch überholt die Venus die Erde alle 584 Tage. Würden beide Planetenbahnen in einer Ebene liegen, könnte man nach jedem solchen Intervall die Venus vor der Sonne vorbeiziehen sehen. Da die Umlaufbahnen aber geneigt sind, läuft der innere Planet meist oberhalb oder unterhalb der Sonne vorbei.
Nur alle 122 Jahre liegen alle drei Himmelskörper (Sonne, Venus, Erde) auf einer Linie und die Venus zieht von der Erde aus sichtbar an der Sonne vorbei. Weil fünf Überrundungen der Venus acht Erdumkreisungen der Sonne entsprechen, ereignen sich Venus-Transite jeweils paarweise im Abstand von acht Jahren. Der letzte Transit fand am 8.6.2004 statt. Das zweite Ereignis im Jahr 2012 wird in Europa nur in Island sichtbar sein. Am 6. Juni 2012. Für uns jetzt lebenden Menschen also die letzte Gelegenheit. 
Mein junger Schütze holt sein iPhone raus und sagt, "Infos findest Du übrigens auf www.venustransit.de"  ... "ob ihn das interessieren würde, so ein Jahrhundertereignis in  Island in Natura zu erleben?" frage ich. "Nö, wieso? Kann ich doch alles im Netz sehen. Jederzeit". 
Verblüffte Grüße von Siri

Mittwoch, 9. November 2011

Abreisehoroskop für eine Flugreise nach New York.

Eigentlich berechne ich keine Horoskope für meine Reisen, da ich davon ausgehe, dass ich meinem Schicksal nicht durch horoskoptechnische Terminmanipulationen aus dem Weg gehen kann. Doch dieses Mal hatte ich eines gemacht, eher aus Neugier, ich hatte schon gepackt und wartete noch auf meinen Sohn, und vertrieb mir so die Zeit. Huch, Saturn auf dem Aszendenten, was das wohl bedeuten mag? Schwierigkeiten und Verzögerungen? Da Saturn in der Waage stark steht, und das 9. Haus im Zwilling keine besonderen Belastungen aufwies, dachte ich … wird schon nichts wirklich Schlimmes sein. Also, machten wir uns morgens, dem 29.10.2011, um 6Uhr34 auf den Weg. Für ein Abreisehoroskop 
gilt als Berechnungstermin die Uhrzeit, zu der man sein Zuhause verlässt, also der Moment, wenn man die Tür hinter sich schließt. Wir mussten zum Bahnhof, den Zug nach Frankfurt erreichen. Ich hatte extra einen Zug ohne Umsteigen gewählt, damit man schon mal keinen Anschlusszug verpassen kann. Ihr seht, ich bin saturnisch vorgegangen. Rechtzeitig in Frankfurt checkten wir auch pünktlich ein, und das Flugzeug startete mit einer halben Stunde Verspätung, also alles ganz normal. Die erste Ansage des Flugkapitäns war jedoch, dass sich auf New York ein Schneesturm zubewegte, er klang beunruhigt. Da war er also, der Saturn am AC. Statt der geplanten 8 Stunden, waren wir dann 16 Stunden im Flugzeug. Der Flughafen Newark wurde für 6 Stunden total gesperrt, und das Ende Oktober. Zuerst Richtung Cleveland, nein wieder zurück, kein Benzin mehr, landen in Baltimore, auftanken, technische Probleme beseitigen … warten, warten, keiner weiß Bescheid, wir sollten alle aussteigen, dann wieder nicht und zu guter Letzt konnten wir dann doch noch an unserem Ursprungsziel-
flughafen Newark landen. Es verzögerte sich alles immens, keine Shuttlebusse mehr, Taxifahrer verlangten das Doppelte, Schlangen von Menschen mit Gepäck, alle froren … aber letztendlich sind wir ohne große Verluste in unserem Hotel angelangt. Also nichts wirklich Schlimmes passiert. Saturn, der Herr der Zeit, der Herr der irdischen Gesetze hat seine Wirkung in die Zeitverzögerung gelegt. Und da Waage (der Aszendent), und Zwillinge (das 9. Reisehaus) Luftzeichen sind, hat sich das Ganze auf den Zusammenhang Wetter und Flugreise ausgewirkt. Ist schon spannend die Astrologie. Bin mal wieder schwer beeindruckt.

Abreisehoroskop, 29.10.2011, 6Uhr34, Karlsruhe

Mona Riegger gibt in ihrem Buch der "Stundenastrologie" für Abreisehoroskope folgende Anregungen:
- Der Abreisende wird vom Aszendenten und seinem Herrscher symbolisiert.
- Steht der Herrscher des AC im 12. Haus, wäre es gut den "Ich-verlasse-meine-Wohnung-Termin" auf früher zu verlegen, damit der Herrscher im 1. Haus zu stehen kommt.
- Saturn, Uranus, Neptun oder Pluto am Aszendenten können Unannehmlichkeiten bedeuten. 
- Bei großen Reisen sollte das 9. Haus unbelastet sein.
- Bei kleinen Reisen das 3. Haus. 
- Merkur (kurze Reisen) und Jupiter (lange Reisen) sollten gut gestellt sein. 
- Der Mondverlauf zeigt den Verlauf der Reise an.

Der Mond meiner Reise stand im Schützen, dem Reisezeichen (also stimmig und schon mal große Lust auf die Reise). Der applikative Aspektverlauf des Mondes innerhalb des Zeichens Schütze wird in diesem Fall gemessen als Zeitverlauf, ein Grad eine Stunde. Nach acht Stunden war klar, dass wir nicht landen können, da tangierte Mond die Mondknotenachse. Das Schicksal nimmt seinen Lauf, die Anreise verläuft anders als wir gedacht haben. 
Der Rest der Reise, nach Ankunft, war dann allerdings nur noch schön. Der Schnee schmolz, wir hatten sieben Tage Sonne und wunderbares klares Licht, für Fotografen ein Traum, und die Rückreise war komplett problemfrei. Des Weiteren machte ich eine Synastrie des Abreisehoroskopes mit meinem Geburtshoroskop. Der Waage-Aszendent des Abreisehoroskopes stand gradgenau auf meiner Geburtsvenus. Diese Venus liebt schönes Licht für Fotos und liebt schöne Hotels. Sie kam voll auf ihre Kosten. 

Es lohnt sich also doch, ein Abreisehoroskop zu machen. Experimentiert doch mal damit herum und berichtet.

Reiselustige Grüße von Siri